"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon."

Dienstag, 29. Oktober 2013

Oppan Gangnam Style!

Ein Auslandssemester in Japan ist toll, weil man nicht nur Japan sondern auch andere angrenzende Länder schnell und einfach bereisen kann. So trieb es mich nach gerade einmal vier Wochen im Land der aufgehenden Sonne bereits ins nächste ferne Abenteuer: ein Wochenende in Seoul, Südkorea. Am frühen Freitagnachmittag erreichten Laura, Patricia, Vera und ich nach einem knapp einstündigen Flug von Fukuoka (Japan) den internationalen Flughafen Seoul Incheon.

Dort mussten wir als erstes Geld abheben, da es in Korea natürlich eine andere Währung gibt als in Japan (südkoreanische Won ₩). Anschließend fuhren wir zu unserem Hostel (Agrina Inn) in der Nähe der U-Bahn-Haltestelle Chungmuro. Um 18:15 Uhr haben wir uns mit Simon an der U-Bahn-Haltestelle der Ewha Womans University getroffen. Simon ist einer von sieben Austauschstudenten der Uni Paderborn, die derzeit im Rahmen des ASBE-Programms ein Semester in Seoul verbringen.

Treppe an der Ewha Womans University
Die Ewha Womans University lässt sich gar nicht mit meiner derzeitigen Uni in Japan vergleichen. Sie ist sehr viel größer und zu weiten Teilen auch viel moderner. Zum Uni-Komplex gehören beispielsweise ein „Study Room“ für das man eingangs auf einem Bildschirm Tische inkl. Uhrzeiten reservieren kann, ein Fitnessstudio, eine Starbucksfiliale, ein Kino und vieles mehr. Da es sich um eine Frauenuniversität handelt (auf der Männer nur in Form von Austauschstudenten zugelassen sind) ist auch die Gegend um die Universität herum stark auf das weibliche Geschlecht ausgerichtet, was man v.a. an den Geschäften dort erkennen kann (viel Mode, Kosmetik, Süßigkeiten etc.).
 
Zusammen mit Simon, Alex (einem weiteren Austauschstudenten der Uni Paderborn) und noch sieben anderen Studenten aus Deutschland, Südkorea und Japan sind wir an unserem ersten Abend direkt zu einem Restaurant gegangen, wo es all-you-can-eat Korean BBQ  für ca. 7,50 EUR gab. Ich kannte Korean BBQ bereits aus den USA und aus Japan, doch hier war es doch nochmal was ganz anderes. Es gab ein Buffet von dem man sich u.a. Suppe, Reis, Fleisch, Salat, Gemüse, Frittiertes, Apfelspalten (?) und gefrorene gezuckerte Erdbeeren (?) nehmen konnte, soviel man wollte. Das Fleisch wird in großen Stücken auf den Grill gelegt und muss vor dem Servieren mit der dafür bereitliegenden Schere geschnitten werden. Es gab (meines Wissens) Rind und Schwein, wobei die Schweinebauchstreifen als besondere Delikatesse galten. Auch wenn sie sehr viel Fett enthielten, waren sie in der Tat lecker. Es empfiehlt sich das Fleisch mit Soße zu übergießen und in ein Salatblatt zu wickeln. Dann ist der Geschmack am besten. Zum Essen haben wir auch gleich Soju probiert, eine Art wässriger Wodka, der hier teilweise günstiger ist als Wasser und in großen Mengen getrunken wird. Meins war‘s nicht unbedingt, aber immerhin besser als japanischer Sake!

Anschließend sind wir mit den anderen erst in zwei Bars (Woodstock und Mike’s Cabin) und dann in einen Club namens Iron im Studentenviertel Hongdae gegangen. Die Nachtszene ist in Seoul, da es sich um eine Großstadt handelt, natürlich viel größer als in Ōita und es hat Spaß gemacht mitzuerleben wie die Studenten dort feiern. In den frühen Morgenstunden ließen wir uns von einem Taxi nach Hause fahren, weil Taxi fahren in Seoul, gerade mit vier Personen, sehr günstig und teilweise lohnenswerter ist als die Metro zu nehmen.

Kaikan Kirls im Woodstock
Mit Simon und Laura
Samstagmorgen sind wir als erstes zum N Seoul Tower hinauf, ein der Öffentlichkeit zugänglicher Fernsehturm im Zentrum der Stadt. Die Aussicht ist zwar eindrucksvoll aber auch nicht atemberaubend, weil man fast nur auf Hochhäuser blickt, die alle irgendwie gleich aussehen. Möglicherweise lohnt sich der Besuch mehr in der Abenddämmerung oder gar bei Nacht, wenn die Lichter der Stadt an sind.

N Seoul Tower
Blick vom Tower auf die Stadt I
Blick vom Tower auf die Stadt II
Typisch asiatisches Mittagessen ^^
Auf dem Gelände vor dem Tower
Blick auf die Stadt
Nach dem Tower sind wir über den Nandaemum Market gelaufen, einen der ältesten Märkte Seouls. Der Markt ist sehr groß und überlaufen. Man kann dort so ziemlich alles und relativ günstig einkaufen.






Nach unserem Marktbesuch sind wir zum Gyeongbokgung Palast gefahren. Hierbei handelt es sich um den ersten und zugleich größten Palast unter fünf Palästen, die unter der Joseon-Dynastie errichtet wurden. Allerdings war die Schlange an den Ticketschaltern so lang, dass wir nicht hinein gegangen sind. 

Auf dem Gelände vor dem Gyeongbokgung Palast
Eingang zum Gyeongbokgung Palast
Blick auf das Innere des Palastes
Frauen in traditionellen koreanischen Kleidern
Schöner Blick auf die bergige Landschaft

Stattdessen sind wir weiter gelaufen in Richtung Insadong Viertel. Bevor wir die Hauptstraße Insadong-gil entlang gegangen sind, waren wir noch in der Gegend des Hanok-Dorfs Bukchon, wo es viele nette kleine Geschäfte gibt. Hier findet man auch die letzten original koreanischen Häuser von früher. Wenn man die Insadong-gil bis zum Ende läuft und dann nach rechts geht, kommt man auf die nächste große Einkaufsstraße: Jongno. Hier sind wir noch ein wenig entlang gegangen, bevor wir es uns dann in einer Pizzeria gemütlich gemacht haben, um anschließend nach Hause zu fahren und früh ins Bett zu gehen.
 
Am Sonntagmorgen sind wir als erstes zum Trick Eye Museum gefahren. Wie man anhand des Namens schon erkennen kann, stellt dieses Museum Bilder aus, die nur dafür gemalt worden sind, um das menschliche Auge auszutricksen. Der Trick erfolgt dabei mittels Fotografie. Nachfolgend ein paar Beispiele, was genau damit gemeint ist.






Das Trick Eye Museum war wirklich lustig und eine gelungene Abwechslung zum üblichen Touristen-Programm, so dass ich es nur weiter empfehlen kann.

Gegen 12 Uhr sind wir zum Hauptbahnhof gefahren, wo wir noch zu Mittag gegessen haben, bevor wir Vera verabschiedet haben, die schon ein Tag früher zurück nach Japan geflogen ist. 

Mittagessen im Bennigan's an der Seoul Station
Laura, Pati und ich sind anschließend wieder zur Ewha Womans University gefahren, um uns die Uni auch bei Tageslicht anzusehen und in der Gegend noch ein wenig shoppen zu gehen.





Gegen 17 Uhr sind wir zur Apgujeong Rodeo Street nach Gangnam gefahren und haben uns dort die Straße mit den Luxusboutiquen angesehen. Um 19 Uhr haben wir uns dann an der U-Bahn-Haltestelle Gangnam mit Nikola getroffen, einem alten Schulfreund von Patricia, der seit nunmehr einem Jahr mit seiner südkoreanischen Freundin in Seoul wohnt und sich dementsprechend dort sehr gut auskennt. Mit ihm haben wir Daktoritang, einen scharfen Hühner-Eintopf mit Kartoffeln und Glasnudeln probiert. Scharf ist in Südkorea übrigens so gut wie jedes Gericht. Gut, dass ich in Japan und nicht in Südkorea bin. An diese Schärfe könnte ich mich nicht gewöhnen.

Daktoritang
Pati und Nikola
Die Straßen von Gangnam bei Nacht
Denkmal zu Ehren von Psy
Am Montag sind wir nur noch in einen großen Supermarkt am Hauptbahnhof namens Lotte Mart gegangen, um noch ein paar Souvenirs einzukaufen. Danach ging es wieder zum Flughafen.

Bevor ich nun an dieser Stelle meinen Bericht über Seoul beende, möchte ich noch ein paar Sachen loswerden, die mir in Seoul aufgefallen sind:
  1. Die Koreaner in Seoul wirken zweifellos unfreundlicher gegenüber Ausländern als die Japaner, die ich bisher kennengelernt habe. Man wird nur in seltenen Fällen angelächelt. Auch meine Mitstudenten aus Paderborn sagten, dass es sehr schwer ist in Seoul südkoreanische Freunde zu finden. Wie mir vor wenigen Tagen erklärt wurde, liegt das möglicherweise daran, dass die Koreaner sehr misstrauisch gegenüber anderen sind und zwar nicht nur gegenüber Ausländern sondern auch gegenüber anderen Koreanern. 
  2. Die Menschen in Südkorea sprechen sehr gutes amerikanisches Englisch. Es sprechen dort eindeutig mehr Menschen Englisch als hier in Japan. 
  3. Die Stadt ist voll von jungen, Händchen haltenden Pärchen. Etwas was man in Japan kaum sieht, da die Japaner keine großen Freunde von Körperkontakt in der Öffentlichkeit sind. Die Pärchen, die es in Seoul besonders ernst meinen tragen zu dem auch noch Partnerlook (v.a. Schuhe, manchmal auch Pullis oder Hemden). Sehr kurios! 
  4. Dadurch, dass es in der ganzen Stadt nur Pärchen gibt, bieten fast alle Restaurants nur Portionen für mindestens zwei Personen an. Man kann oft zwischen klein (für 2 Personen), mittel (für 2-3 Personen) und groß (für 3-4 Personen) auswählen [die Portionenangaben stehen allerdings nicht dabei; gut, dass wir jedes Mal gewarnt wurden]. Das Essen wird immer geteilt, d.h. alle nehmen sich von einem großen Teller in der Mitte des Tisches. Dementsprechend geht man in Seoul auch nicht alleine essen, sondern holt sich in diesem Fall eher etwas von einem Straßenstand. 
  5. Seoul ist voll von Straßenständen, die sowohl Essen als auch Bekleidung und allerlei sonstigen Kram verkaufen. Die Stände sind überirdisch, aber auch unterirdisch (in den U-Bahn-Stationen) zu finden. 
  6. Neben den vielen Straßenständen gibt es abertausende von normalen Geschäften (ebenfalls ober- und unteririsch), so dass man wirklich sagen muss, dass die Stadt total auf Konsum ausgerichtet ist.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Trauminsel Okinawa: Hawaii-Feeling in Japan

Am vierten Wochenende nach meiner Ankunft in Japan, bin ich wieder in ein Flugzeug gestiegen, um einen neuen wunderschönen Teil dieser Welt zu entdecken: Okinawa, Japans südlichste Präfektur.

Verlockende Aussichten
Über Okinawa hatte ich sowohl von deutschen als auch von japanischen Bekannten im Vorfeld bereits vieles gehört. Oft fiel der Vergleich mit Hawaii und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an einen paradiesischen Kurztrip. Gleichzeitig war ich gespannt darüber, inwiefern man die Präsenz des US-Militärs auf der Hauptinsel spüren und inwieweit sich das Leben in Okinawa vom japanischen Leben, was ich bislang erleben konnte, unterscheiden würde. 

Doch kommen wir zunächst zum eigentlichen Trip. 
Unsere Unterkunft befand sich in Naha, der Hauptstadt Okinawas direkt am Naminoue Beach. Dieser Strandabschnitt war jedoch nicht ganz idyllisch, da die Sicht von einer langen Autobahnbrücke gestört wurde. Wir entschieden uns daher gleich dazu am nächsten Tag einen schöneren Strand aufzusuchen. Ein Mitarbeiter des Hostels riet uns dazu nach Zamami Island zu fahren.
 
                       
                             Naminoue Beach
Naminoue Beach


Also machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Tomari Hafen, um von dort aus die 50-minütige Fahrt mit der Hochgeschwindigkeitsfähre nach Zamami Island anzutreten. Die Insel gehört zu den Kerama Islands und ist vor allem bei Tauchern sehr beliebt. Man muss nicht lange dort gewesen sein, um zu wissen warum: smaragdgrünes Meer, klares Wasser und weiße Sandstrände. Für mich persönlich definitiv die schönsten Strände, an denen ich jemals gewesen bin. Die verschiedenen Grün- und Blautöne des Meeres sind einfach unbeschreiblich. Besonders gut konnte man diese von verschiedenen Aussichtsplattformen betrachten, die sich rund um die Insel befanden. Neben diesen Plattformen bietet die Insel zwei Strände (Ama Beach und Furuzamami Beach) und ca. 10 'Restaurants', die aber eher Bistro-Charakter haben. Wie man merkt ist die Insel nicht besonders groß. Die meiste Zeit über hatten wir das Gefühl ganz alleine dort zu sein. Herrlich!
 
                       



                       


Am Sonntag haben wir den Ocean Expo Park im Inselnorden besucht. Bekannt ist dieser Park v.a. für sein Aquarium. Daneben gibt es aber noch viele weitere Attraktionen, so dass man für den Besuch durchaus einen ganzen Tag Zeit einplanen sollte. Wir haben uns zunächst eine Delfin-Show im 'Okichan Theater' angesehen, mit dem blauen Ozean im Hintergrund. Danach ging es zum Okinawa Churaumi Aquarium. Die Hauptattraktion ist hier das 'Kuroshio' Becken (10m tief, 35m breit und 27m lang) mit riesigen Walhaien, Mantarochen, Gelbflossenthunfischen und Bonitos.

 

 

 

 


Nach dem Aquarium haben wir uns zwei andere Becken mit Meeresschildkröten und Seekühen angesehen. Danach ging es weiter zum Emerald Beach, wo wir allerdings nur das Panorama genossen haben, da keine von uns Schwimmsachen dabei hatte und es ohnehin sehr windig war.

 

 

Anschließend ging es weiter zum Tropical Dream Center, wo man tropische und subtropische Blumen und Obstbäume findet, darunter mehr als 2000 blühende Orchideen. Hier hätte sich meine Mama sicher sehr wohl gefühlt :-)

 

 

 

Zum Abschluss haben wir uns noch die Rekonstruktion eines Ureinwohner-Dorfes aus dem 17.-19. Jahrhundert angesehen. Anschließend wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer belohnt. Mit dem Taxi ging es dann zurück nach Naha und wenig später direkt ins Bett.

 

An unserem letzten Tag in Okinawa haben wir uns ein Tagesticket zum Preis von 600 yen für die erhöhte Monorail gekauft und sind damit zum Shuri-jō gefahren, dem Hauptsymbol der Insel. Hierbei handelt es sich um ein Schloss, das ursprünglich gegen Ende des 14. Jahrhunderts erbaut, dann abermals nieder gebrannt bzw. zerstört und wieder aufgebaut und letztlich 1992 vollkommen restauriert worden ist. Das Schloss befindet sich auf einem Hügel und überwacht von dort oben alles aus einer sicheren Entfernung. Es zeigt sowohl chinesische als auch japanische Einflüsse und galt als Zentrum der Innen- und Außenpolitik und Kultur während des Ryūkyū Königreichs. Seit dem Jahr 2000 zählt dieser Ort zum Weltkulturerbe. 


 

 

Leider mussten wir uns nach unserem Schlossbesuch langsam auf dem Weg zum Flughafen machen. Doch eigentlich wären wir alle viel lieber noch länger auf dieser Trauminsel geblieben. Okinawa werde ich so schnell nicht vergessen!


Zu meinen anfänglichen Überlegungen sei noch folgendes angemerkt:
  • Von den etwa 24.000 in Okinawa stationierten US-Soldaten habe ich während meines Aufenthaltes nichts gemerkt. Fazit: Wenn man nicht gerade in den Norden Nahas fährt, kann man Okinawa besuchen ohne einen einzigen Soldaten anzutreffen. 
  • Die Menschen in Okinawa sehen anders aus und benehmen sich auch tatsächlich anders als die Japaner, die ich in Oita kennengelernt habe. Meiner Meinung nach waren sie 'lässiger' bzw. weniger konservativ. Irgendwie westlicher... :-)