Ein
Auslandssemester in Japan ist toll, weil man nicht nur Japan sondern auch
andere angrenzende Länder schnell und einfach bereisen kann. So trieb es mich
nach gerade einmal vier Wochen im Land der aufgehenden Sonne bereits ins
nächste ferne Abenteuer: ein Wochenende in Seoul, Südkorea. Am frühen
Freitagnachmittag erreichten Laura, Patricia, Vera und ich nach einem knapp
einstündigen Flug von Fukuoka (Japan) den internationalen Flughafen Seoul
Incheon.
Dort mussten wir
als erstes Geld abheben, da es in Korea natürlich eine andere Währung gibt als
in Japan (südkoreanische Won ₩). Anschließend fuhren wir zu unserem Hostel (Agrina
Inn) in der Nähe der U-Bahn-Haltestelle Chungmuro. Um 18:15 Uhr haben wir uns
mit Simon an der U-Bahn-Haltestelle der Ewha Womans University getroffen. Simon
ist einer von sieben Austauschstudenten der Uni Paderborn, die derzeit im
Rahmen des ASBE-Programms ein Semester in Seoul verbringen.
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| Treppe an der Ewha Womans University |
Die Ewha Womans
University lässt sich gar nicht mit meiner derzeitigen Uni in Japan
vergleichen. Sie ist sehr viel größer und zu weiten Teilen auch viel moderner.
Zum Uni-Komplex gehören beispielsweise ein „Study Room“ für das man eingangs
auf einem Bildschirm Tische inkl. Uhrzeiten reservieren kann, ein
Fitnessstudio, eine Starbucksfiliale, ein Kino und vieles mehr. Da es sich um
eine Frauenuniversität handelt (auf der Männer nur in Form von
Austauschstudenten zugelassen sind) ist auch die Gegend um die Universität
herum stark auf das weibliche Geschlecht ausgerichtet, was man v.a. an den
Geschäften dort erkennen kann (viel Mode, Kosmetik, Süßigkeiten etc.).
Zusammen mit
Simon, Alex (einem weiteren Austauschstudenten der Uni Paderborn) und noch
sieben anderen Studenten aus Deutschland, Südkorea und Japan sind wir an
unserem ersten Abend direkt zu einem Restaurant gegangen, wo es all-you-can-eat
Korean BBQ für ca. 7,50 EUR gab. Ich
kannte Korean BBQ bereits aus den USA und aus Japan, doch hier war es doch
nochmal was ganz anderes. Es gab ein Buffet von dem man sich u.a. Suppe, Reis,
Fleisch, Salat, Gemüse, Frittiertes, Apfelspalten (?) und gefrorene gezuckerte
Erdbeeren (?) nehmen konnte, soviel man wollte. Das Fleisch wird in großen
Stücken auf den Grill gelegt und muss vor dem Servieren mit der dafür
bereitliegenden Schere geschnitten werden. Es gab (meines Wissens) Rind und
Schwein, wobei die Schweinebauchstreifen als besondere Delikatesse galten. Auch
wenn sie sehr viel Fett enthielten, waren sie in der Tat lecker. Es empfiehlt
sich das Fleisch mit Soße zu übergießen und in ein Salatblatt zu wickeln. Dann
ist der Geschmack am besten. Zum Essen haben wir auch gleich Soju probiert,
eine Art wässriger Wodka, der hier teilweise günstiger ist als Wasser und in
großen Mengen getrunken wird. Meins war‘s nicht unbedingt, aber immerhin besser
als japanischer Sake!
Anschließend sind
wir mit den anderen erst in zwei Bars (Woodstock und Mike’s Cabin) und dann in
einen Club namens Iron im Studentenviertel Hongdae gegangen. Die Nachtszene ist
in Seoul, da es sich um eine Großstadt handelt, natürlich viel größer als in Ōita und es hat Spaß gemacht mitzuerleben wie die Studenten dort feiern. In den
frühen Morgenstunden ließen wir uns von einem Taxi nach Hause fahren, weil Taxi
fahren in Seoul, gerade mit vier Personen, sehr günstig und teilweise
lohnenswerter ist als die Metro zu nehmen.
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| Kaikan Kirls im Woodstock |
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| Mit Simon und Laura |
Samstagmorgen
sind wir als erstes zum N Seoul Tower hinauf, ein der Öffentlichkeit
zugänglicher Fernsehturm im Zentrum der Stadt. Die Aussicht ist zwar
eindrucksvoll aber auch nicht atemberaubend, weil man fast nur auf Hochhäuser
blickt, die alle irgendwie gleich aussehen. Möglicherweise lohnt sich der
Besuch mehr in der Abenddämmerung oder gar bei Nacht, wenn die Lichter der
Stadt an sind.
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| N Seoul Tower |
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| Blick vom Tower auf die Stadt I |
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| Blick vom Tower auf die Stadt II |
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| Typisch asiatisches Mittagessen ^^ |
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| Auf dem Gelände vor dem Tower |
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| Blick auf die Stadt |
Nach dem Tower sind wir über den Nandaemum Market gelaufen,
einen der ältesten Märkte Seouls. Der Markt ist sehr groß und überlaufen. Man
kann dort so ziemlich alles und relativ günstig einkaufen.
Nach unserem
Marktbesuch sind wir zum Gyeongbokgung Palast gefahren. Hierbei handelt es sich
um den ersten und zugleich größten
Palast unter fünf Palästen, die unter der Joseon-Dynastie errichtet wurden. Allerdings
war die Schlange an den Ticketschaltern so lang, dass wir nicht hinein
gegangen sind.
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| Auf dem Gelände vor dem Gyeongbokgung Palast |
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| Eingang zum Gyeongbokgung Palast |
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| Blick auf das Innere des Palastes |
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Frauen in traditionellen koreanischen Kleidern
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| Schöner Blick auf die bergige Landschaft |
Stattdessen sind wir weiter gelaufen in Richtung Insadong
Viertel. Bevor wir die Hauptstraße Insadong-gil entlang gegangen sind, waren
wir noch in der Gegend des Hanok-Dorfs Bukchon, wo es viele nette kleine
Geschäfte gibt. Hier findet man auch die letzten original koreanischen Häuser
von früher. Wenn man die Insadong-gil
bis zum Ende läuft und dann nach rechts geht, kommt man auf die nächste große Einkaufsstraße:
Jongno. Hier sind wir noch ein wenig entlang gegangen, bevor wir es uns dann in
einer Pizzeria gemütlich gemacht haben, um anschließend nach Hause zu fahren
und früh ins Bett zu gehen.
Am Sonntagmorgen
sind wir als erstes zum Trick Eye Museum gefahren. Wie man anhand des Namens
schon erkennen kann, stellt dieses Museum Bilder aus, die nur dafür gemalt
worden sind, um das menschliche Auge auszutricksen. Der Trick erfolgt dabei
mittels Fotografie. Nachfolgend ein paar Beispiele, was genau damit gemeint
ist.
Das Trick Eye
Museum war wirklich lustig und eine gelungene Abwechslung zum üblichen Touristen-Programm,
so dass ich es nur weiter empfehlen kann.
Gegen 12 Uhr sind
wir zum Hauptbahnhof gefahren, wo wir noch zu Mittag gegessen haben, bevor wir
Vera verabschiedet haben, die schon ein Tag früher zurück nach Japan geflogen
ist.
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| Mittagessen im Bennigan's an der Seoul Station |
Laura, Pati und ich sind anschließend wieder zur Ewha Womans University
gefahren, um uns die Uni auch bei Tageslicht anzusehen und in der Gegend noch ein
wenig shoppen zu gehen.
Gegen 17 Uhr sind
wir zur Apgujeong Rodeo Street nach Gangnam gefahren und haben uns dort die
Straße mit den Luxusboutiquen angesehen. Um 19 Uhr haben wir uns dann an der
U-Bahn-Haltestelle Gangnam mit Nikola getroffen, einem alten Schulfreund von
Patricia, der seit nunmehr einem Jahr mit seiner südkoreanischen Freundin in
Seoul wohnt und sich dementsprechend dort sehr gut auskennt. Mit ihm haben wir
Daktoritang, einen scharfen Hühner-Eintopf mit Kartoffeln und Glasnudeln
probiert. Scharf ist in Südkorea übrigens so gut wie jedes Gericht. Gut, dass
ich in Japan und nicht in Südkorea bin. An diese Schärfe könnte ich mich nicht
gewöhnen.
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| Daktoritang |
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| Pati und Nikola |
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| Die Straßen von Gangnam bei Nacht |
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| Denkmal zu Ehren von Psy |
Am Montag sind
wir nur noch in einen großen Supermarkt am Hauptbahnhof namens Lotte Mart
gegangen, um noch ein paar Souvenirs einzukaufen. Danach ging es wieder zum
Flughafen.
Bevor ich nun an
dieser Stelle meinen Bericht über Seoul beende, möchte ich noch ein paar Sachen
loswerden, die mir in Seoul aufgefallen sind:
- Die
Koreaner in Seoul wirken zweifellos unfreundlicher gegenüber Ausländern als die
Japaner, die ich bisher kennengelernt habe. Man wird nur in seltenen Fällen
angelächelt. Auch meine Mitstudenten aus Paderborn sagten, dass es sehr schwer
ist in Seoul südkoreanische Freunde zu finden. Wie mir vor wenigen Tagen
erklärt wurde, liegt das möglicherweise daran, dass die Koreaner sehr misstrauisch
gegenüber anderen sind und zwar nicht nur gegenüber Ausländern sondern auch
gegenüber anderen Koreanern.
- Die
Menschen in Südkorea sprechen sehr gutes amerikanisches Englisch. Es sprechen dort
eindeutig mehr Menschen Englisch als hier in Japan.
- Die
Stadt ist voll von jungen, Händchen haltenden Pärchen. Etwas was man in Japan
kaum sieht, da die Japaner keine großen Freunde von Körperkontakt in der
Öffentlichkeit sind. Die Pärchen, die es in Seoul besonders ernst meinen tragen
zu dem auch noch Partnerlook (v.a. Schuhe, manchmal auch Pullis oder Hemden).
Sehr kurios!
- Dadurch,
dass es in der ganzen Stadt nur Pärchen gibt, bieten fast alle Restaurants nur
Portionen für mindestens zwei Personen an. Man kann oft zwischen klein (für 2
Personen), mittel (für 2-3 Personen) und groß (für 3-4 Personen) auswählen [die
Portionenangaben stehen allerdings nicht dabei; gut, dass wir jedes Mal gewarnt
wurden]. Das Essen wird immer geteilt, d.h. alle nehmen sich von einem großen
Teller in der Mitte des Tisches. Dementsprechend geht man in Seoul auch nicht
alleine essen, sondern holt sich in diesem Fall eher etwas von einem
Straßenstand.
- Seoul
ist voll von Straßenständen, die sowohl Essen als auch Bekleidung und allerlei
sonstigen Kram verkaufen. Die Stände sind überirdisch, aber auch unterirdisch (in
den U-Bahn-Stationen) zu finden.
- Neben
den vielen Straßenständen gibt es abertausende von normalen Geschäften (ebenfalls
ober- und unteririsch), so dass man wirklich sagen muss, dass die Stadt total
auf Konsum ausgerichtet ist.