"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon."

Montag, 17. Februar 2014

Das kleine Japan-ABC: Was hier doch ganz anders ist als in Deutschland.

Nachdem ich nun fast fünf Monate in Japan verbracht habe und sich meine Zeit hier dem Ende neigt, wird es allerhöchste Zeit meine Erfahrungen und Erlebnisse zu reflektieren. Da es hier doch einiges gibt, was so ganz anders ist als bei uns und ich entsprechend viel zu erzählen habe, versuche ich das ganze in Form eines kleinen Alphabets etwas aufzulockern. Doch Achtung: es gibt viel mehr Text und viel weniger Bilder als sonst (Zeit einplanen!). Wen das nicht abschreckt - viel Spaß beim Lesen und Staunen!

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen
In Japan gibt es erstaunlich viele Berufe, die man bei uns nicht sieht. Zum Beispiel stehen vor jeder Baustelle mehrere Männer in Warnwesten, die mit Leuchtstäben und Fahnen ausgestattet sind und einem lediglich signalisieren, dass man vorbeifahren kann (eine Tatsache, die man auch ohne fremde Hilfe erkennen könnte). Oft sieht man auch mehrere Leute an Straßenkreuzungen sitzen, die vermutlich vorbeifahrende Autos, Fahrräder und Fußgänger zählen. Self-Service Tankstellen sucht man auch vergebens. Hier arbeitet wirklich jeder, unabhängig davon wie kalt es draußen ist oder wie lange man auf 'Kundschaft' warten muss. Dafür ist die Arbeitslosenquote natürlich geringer als bei uns und ich habe noch keinen einzigen Bettler auf der Straße gesehen. Ob man allerdings von solchen Berufen leben kann, weiß ich nicht und ich wage es teilweise zu bezweifeln.
 
Bahn fahren
Bahn fahren in Japan unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von meiner guten alten Freundin 'DB'. 1.) Die Züge sind wirklich immer pünktlich. 2.) Man kann die Fahrkarten auch einfach im Zug beim Schaffner lösen. 3.) Es gibt nur 'Ruheabteile', weil die Japaner entweder schlafen oder flüstern, wenn sie mit ihrem Sitznachbarn kommunizieren. 4.) Die Sitzplätze werden i.d.R. anhand eines Hebels in Fußhöhe immer in die richtige Fahrtrichtung gedreht. Tut man das nicht, wird man komisch angeschaut oder gefragt, ob man nicht lieber seinen Sitz umdrehen möchte (wie jeder andere auch). 5.) Die Tickets werden beim Einsteigen einfach in die dafür vorgesehene Lasche am Kopf des Vordersitzes gesteckt. Der Schaffner muss einen dann nicht wecken, falls man schläft, sondern greift einfach nach dem Ticket. [In Deutschland hätten sie einem das Ticket sicher schon nach 5 min geklaut, hier muss man jedoch keine Angst davor haben.] Kontrolliert wird man auch nur einmal, selbst wenn es einen Personalwechsel gibt, da die Schaffner sich zu Beginn die Endhaltestelle jedes Passagiers notieren. Ganz schön pfiffig! Achja 6.) Jeder Schaffner verbeugt sich jeweils beim Betreten und Verlassen eines Waggons. Sollte die Deutsche Bahn auch mal einführen ;-) Mit dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug 'Shinkansen' bin ich nur ein einziges Mal gefahren und fand es eher weniger beeindruckend. Ich konnte nicht wirklich einen Unterschied zu anderen Schnellzügen erkennen. Allerdings hat man sehr viel Platz nach vorne, um seine Beine auszustrecken.



Convenient Stores (コンビニ)
Convenient Stores, abgekürzt 'Konbini' sind kleine - wie der Name schon sagt - super praktische Geschäfte, die 24 Stunden am Tag an 7 Tagen der Woche geöffnet haben und die man hier wirklich an jeder Ecke findet. Am weitesten verbreitet sind die Filialen von 7-Eleven (was viele sicher aus den USA kennen), Family Mart und Lawson. Neben ihrer Grundfunktion Menschen zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Nahrungs- und Genussmitteln zu versorgen, kann man hier u.a. auch Geld abheben, Kopien erstellen, Fotos drucken, Bus- und Veranstaltungstickets kaufen, Strom-, Wasser- und Gasrechnungen bezahlen, Pakete abholen, das WiFi oder die Toiletten nutzen. Einfach - convenient!



Dienstleistungsgedanke
Dienstleistung, also Service, wird in Japan groß geschrieben. Das fängt dabei an, dass einen alle Mitarbeiter in einem Geschäft im Chor willkommen heißen, sobald man zur Tür herein kommt und genauso warmherzig und dankend verabschieden, wenn man als Kunde den Laden wieder verlässt. Wenn man eine Paketbenachrichtigung von der Post erhält, kann man sich das Paket noch am selben Tag wieder zustellen lassen oder eines von acht möglichen Zeitfenstern an einem anderen Tag auswählen. Natürlich wird der Paketbote dann auch pünktlich sein. Nach dem Tanken lotsen einen die Tankstellenmitarbeiter noch bis zur Straße, damit man ja selbst keinen Stress hat noch einmal nach links und rechts zu gucken. Ein weiteres, leicht absurdes Beispiel: Bevor man abfliegt stellen sich noch mindestens drei Mitarbeiter der Fluggesellschaft auf das Rollfeld, um sich vor dem Flugzeug zu verbeugen und allen Passagieren zu winken. Süß :-)

Essen 
Grill-Spieße (Yakiniku)
Tuna/yam@Sushi-ro
Um eines direkt vorweg zu nehmen: nein, die Japaner essen nicht jeden Tag Sushi. Eigentlich wurde uns sogar gesagt, dass die meisten eher selten Sushi essen, weil es verhältnismäßig teuer ist und die Zubereitung daheim mit relativ viel Aufwand verbunden ist. Stattdessen essen die Japaner gerne verschiedene Arten von Nudelsuppen (u.a. Ramen, Udon, Soba) oder Fleisch und Fisch, gerne gegrillt, mit Reis und Grünkohl als Beilage. Ebenso beliebt ist Tofu und weitere Sorten von Gemüse. Die im Westen ebenfalls bekannte Miso-Suppe gibt es meistens schon zum Frühstück, ebenso wie Reis und Salat.

Große Auswahl in der Backwarenabteilung
Was mich sehr überrascht hat ist, dass die Japaner gerne frittiertes Essen mögen, z.B. 'karaage' und 'tori ten' (beides frittiertes Hühnchen), Currys カレー (die jedoch anders sind als die indischen) und Backwaren - von Brot über Croissants bis hin zu Donuts und Kuchen. Kein Wunder also, dass man hier inzwischen auch Menschen mit Gewichtsproblemen sieht. Man findet sowieso überall auch westliches Essen (wenn auch mal etwas teurer), so dass man aber nicht gezwungen ist seine Ernährung umzustellen. 

Das Essen hat mir persönlich immer gut geschmeckt. Es wird eher zurückhaltend gewürzt, dafür stehen einem oft verschiedene Soßen zur Auswahl. Mayonnaise und Remoulade werden auch oft verwendet. Die Qualität der Lebensmittel ist sehr gut. Das einzige worauf man hier als Student definitiv verzichten muss ist Käse. Es gibt kaum welchen und wenn dann ist er kaum bezahlbar. Aber ansonsten kosten die meisten Lebensmittel - je nach Wechselkurs - nicht viel mehr als bei uns. Gegessen wird natürlich immer mit Stäbchen, wobei man uns Europäern auch mal eine Gabel in die Hand drückt, aus Angst wir könnten wegen mangelnder Fähigkeiten 'unser Gesicht verlieren'.

                 
              Ramen
Okonomiyaki

                
                    Lunch-Set mit Tonkatsu auf Eier-Reis
Heiße Soba-Nudeln mit Gemüseeinlage

Freizeit
 

Japaner verbringen ihre Freizeit u.a. gerne in 'Amusement Arcades' aka Game Center, beim Karaoke oder in einem 'Pachinko'. Erstere sind v.a. wegen ihres Geräuschpegels einmalig, da sich dort die Melodien von unzähligen Spielautomaten mit lauter Musik und Kundendurchsagen vermischen. In manchen dieser Spielotheken darf auch noch geraucht werden. Nicht ganz so mein Fall. Einzig die sich darin befindlichen Fotoautomaten, in denen man 'Purikura' (Fotos, bei denen man wie eine Manga-Puppe mit großen Augen aussieht) machen kann, haben es mir ein bisschen angetan. 


Mit der Karaoke-Kultur kann ich mich da schon eher anfreunden. In der Kombination mit einer Getränke- und/oder Essensflatrate kann man in einem separaten Raum mit seinen Freunden stundenlang ungestört Spaß beim Singen haben. 'Pachinko's sind die japanischen Spielhöllen für Erwachsene, in denen es ähnlich laut zu geht wie in den Game Centern. Kurioserweise spielt man dort an Geldautomaten bei denen man jedoch kein Geld sondern nur Kugeln gewinnen kann, die man später in Sachpreise umtauscht. Es heißt aber, dass es bestimmte Orte außerhalb der Pachinko gibt, wo man die Kugeln dann auch wieder in Bargeld umtauschen kann. Ob das ganze dann legal ist oder eher in Richtung Yakuza (japanische Mafia) geht, weiß ich nicht :-).
 

Getränkeautomaten
In Japan gibt es ÜBERALL Getränkeautomaten, an denen man heiße und kalte Getränke bekommt. Schon praktisch, aber manchmal frage ich mich, ob man die wirklich alle braucht. 


Handys 
Obwohl ich von Japan dachte, dass hier alles super modern und technologisch fortschrittlich ist, trifft das beim Thema Handy nicht zu. In der Tat sieht man bei uns viel mehr Leute mit Smartphone als hier. Hier benutzen stattdessen viele noch das sog. 'Keitai' - japanische aufklappbare Mobiltelefone, die v.a. zum Chatten mittels der App 'Line' genutzt werden. Meistens hängen noch irgendwelche Hello Kitty Figuren oder sonstige Tierchen an den Handys dran. Der Grund, weshalb so wenige Leute hier ein iPhone haben sind die schlechten Konditionen der Mobilfunkanbieter. Es konnte mir bspw. keiner glauben, dass man in Deutschland für 20 Euro im Monat einen Flatrate-Vertrag mit Internetnutzung bekommt. Gleiches kostet hier ca. 80 Euro im Monat. Es werden auch nirgendwo einfache Prepaid-Sim-Karten verkauft. Man bekommt nur Guthaben-Karten bei den jeweiligen Mobilfunkanbietern und muss dann auch deren Handys damit benutzen. Wir mussten daher auch lange überlegen, ob sich das für fünf Monate überhaupt lohnt. In diesem Aspekt ist Japan wirklich nachteilig!

International Relations
In einer japanischen Stadt wie Ōita mit über 450.000 Einwohnern wundert man sich doch oft, wie wenige Ausländer man trifft. In der Tat liegt der Ausländeranteil in Japan bei weniger als 2% (in Deutschland sind es fast 9%). Warum? Weil die Japaner nach wie vor großen Wert auf ihre Kultur und ihre Traditionen legen und daher alles Fremde zunächst ablehnen. Egal, wie lange man in Japan lebt und wie fließend man Japanisch spricht, für einen Japaner wird man immer ein 'Gaijin' - ein 'Mensch von draußen' bleiben. Da die Japaner aber im Vergleich zu vielen Chinesen sehr gut erzogen sind, werden sie das einen nach außen hin nicht spüren lassen. Man wird hier also nicht 'angeglotzt', nur weil man anders aussieht. Aber man wird auch nie zum inneren Kreis gehören.

Japaner
Den größten Unterschied zwischen Japan und Deutschland erkenne ich - wer hätt's gedacht - in den Einwohnern selbst. Wie sind die Japaner? In erster Linie sind sie sehr freundlich, hilfsbereit, ruhig, geduldig und respektvoll im Umgang mit anderen. Auch wenn die meisten kein Englisch oder nur sehr schlecht Englisch sprechen, nehmen sie sich viel Zeit und geben sich außerordentlich viel Mühe, um einem weiter zu helfen. Zwei wichtige Grundlagen, die man auch als Ausländer schnell bemerkt sind Harmonie und Gruppenzusammenhalt. Die Japaner sind eher kollektivistisch geprägt als individualistisch. Sie legen viel Wert darauf ihr Gesicht zu wahren und achten daher sehr auf ihre Wortwahl, auf ihre Handlungen und auch auf ihr äußeres Erscheinungsbild. Das soll nicht heißen, dass alle Japaner super gestylt auf die Straße gehen, sondern eher, dass man selten jemanden mit Jogginghose in der Öffentlichkeit sieht. Viele Japaner tragen eine Brille, dafür kennt man hier scheinbar keine Zahnspangen und entsprechend schlimm sehen auch die Zähne der meisten Japaner aus. Viele alte Frauen haben einen Buckel, der sie noch kleiner macht, als sie ohnehin schon sind. Apropos klein - ja, die meisten Japaner sind (wie die meisten Asiaten) klein, aber es gibt auch Ausnahmen. V.a. sind nicht alle schmal und dünn. Es gibt auch hier beleibtere Menschen und es ist auch kein Problem Kleidung in europäischen Normalgrößen zu finden. Frauenschuhe ab Größe 40 sind schon eher problematisch. Schüler müssen bis zur High School eine Schuluniform tragen, erst als Student darf man hier etwas individualistischer sein. Bei uns auch stark verpönt: viele Männer - jung und alt - tragen hier Handtaschen und färben sich die Haare. Weiteres Erkennungsmerkmal der Japaner sind die Atemschutzmasken, die hier aus Sorge vor Ansteckungskrankheiten (und nicht wegen der Luftverschmutzung) getragen werden. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Schrittgeschwindigkeit der meisten Japaner, die man bei uns zu Lande als 'Schneckentempo' bezeichnen würde. Ob das wohl daran liegt, dass zumindest die Frauen alle Schuhe tragen, die ihnen mindestens eine Größe zu groß sind? Wer weiß. Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit sind ein absolutes Tabu. Ganz selten sieht man mal ein junges Pärchen, das Händchen haltend über die Straße läuft. Allerdings habe ich so meine Zweifel, ob dies im Privaten anders ist, denn Japaner mögen einfach grundsätzlich keinen Körperkontakt. Bei einem Treffen winkt man sich meist nur zu, aber man umarmt sich nicht. Eine Tatsache, die ich völlig unverständlich finde, v.a. wenn man bedenkt, dass die Kinder hier meistens nur von ihren Müttern getragen werden (es gibt wenige Kinderwägen) und daher von klein auf an Körperkontakt gewöhnt sein müssten. Nun ja. Ansonsten sind die Japaner meist sehr begeisterungsfähig und sie stehen auch immer brav und ordentlich Schlange. Besonders lustig finde ich es, wenn sie T-Shirts und Taschen mit englischen Aufschriften tragen, die entweder falsch sind oder aufgrund ihrer Botschaft darauf schließen lassen, dass der-/diejenige kein Englisch versteht. Aber, leben und leben lassen. Schließlich üben wir auch viele Verhaltensweisen aus, die für Japaner völlig unverständlich sind. So kam meine japanische Tutorin z.B. gar nicht mehr aus dem Staunen, als ich plötzlich einen Apfel aus meiner Tasche gezogen und hinein gebissen hab. Japaner würden den Apfel garantiert erst klein schneiden und auch nicht in der Öffentlichkeit, beim Gehen, im Bus o.ä. essen. Außerdem findet sie es ganz seltsam, dass ich des Öfteren eine 2 Liter Flasche Wasser mit mir herum trage. Japaner würden höchstens kleine 500ml Flaschen bei sich haben und über den Tag verteilt auch weniger trinken. Wahrscheinlich gibt es an dieser Stelle noch unzählige Unterschiede zwischen uns und den Japanern, aber das waren diejenigen, die mir besonders aufgefallen sind und, die ich erwähnenswert fand.

Kawaii
Typische Baustellenabtrennung
'Kawaii' ist ein sehr wichtiges japanisches Stichwort und bedeutet so viel wie niedlich oder süß auf eine kindliche Art und Weise. Hier in Japan ist meistens alles irgendwie süß und niedlich. Auch das, was in unseren Augen kitschig erscheint, ist für die Japaner meistens total 'kawaii'. Zum Beispiel machen die Ampeln hier manchmal Musik und auf vielen Warnschildern sind niedliche Figuren zu sehen, die einem das Gelesene verständlicher machen sollen. Baustellen werden ebenfalls mit kleinen Figuren abgetrennt und nicht mit einfachen gelben oder orangefarbenen Hütchen wie bei uns. Hello Kitty und ihre anderen Zeichentrickfreunde sind in jedem Supermarktregal und Bekleidungsgeschäft zu finden. Frauen versuchen durch entsprechende Mode, Make-Up, Stimmhöhe und Kichern süß zu wirken und viele Männer finden das sexy. Sogar bei den Lebensmitteln gibt es viele Beispiele für diese Kitsch-Kultur. Seht selbst.




Linksverkehr
Obwohl ich es bereits in einem anderen Blogeintrag erwähnt hatte, wollte ich gerne erneut daran erinnern, dass in Japan Linksverkehr herrscht. Auch ein erwähnenswerter Unterschied zu Deutschland.

Mülltrennung
Regeln für die Mülltrennung
Auf dem Uni-Gelände
Wer meint, dass die Mülltrennung in Deutschland schon kompliziert genug ist, der war noch nie in Japan. Es gibt insgesamt sieben verschiedene Müllcontainer (teilweise acht, denn in der Uni gibt es noch extra Müllcontainer für Lunch-Bento-Boxen): 
'Brennbares' (d.h. Restmüll), 'Plastikcontainer u. Verpackun- gen', 'Dosen u. Flaschen', 'PET-Flaschen', 'Zeitungen, Papier und Kleidung', 'Nicht-Brennbares' und 'Glühbirnen, Batterien etc.'. Zu jeder Müllsorte gibt es dann noch spezifische Vorschriften, wie z.B., dass man von den PET-Flaschen den Deckel abschrauben muss, da sie sonst nicht abgeholt werden (der Deckel gehört dann in den Plastikcontainer). Außerdem sollte alles vorher gründlich abgespült werden und die Japaner halten sich tatsächlich akribisch an alle diese Vorschriften. Da gibt es auch keinen Ausländerbonus, denn Anleitung und Müllkalender, die in jedem Haushalt bereit liegen, sind extra auch auf Englisch, Chinesisch und Koreanisch verfasst. Unterwegs gibt es nicht viele Mülleimer, weil man seinen Müll wohl lieber Zuhause entsorgen sollte. Ist anfangs alles etwas umständlich, aber man gewöhnt sich schnell daran.   

Nase putzen
Nase putzen in der Öffentlichkeit ist ein Tabu in Japan (genauso wie in vielen anderen asiatischen Ländern). Die Menschen haben Angst von Ansteckung und finden das unappetitlich und respektlos gegenüber den anderen Mitmenschen. Und da man hier in Japan ja alles tut, um die Harmonie zu bewahren - lieber die Nase hochziehen, denn das ist ein Zeichen der Stärke und auf die nächste Toilette warten :-).

Onsen
'Onsen' sind die natürlichen heißen Quellen, die man v.a. im Süden Japans findet (wo ich ja gerade bin) und die der Erholung und Reinigung dienen. Traditionelle Onsen bestehen aus einem einzelnen Outdoor-Becken, es gibt aber auch welche mit mehreren Becken (In- und Outdoor). Die Wassertemperatur liegt bei ca. 42 Grad. Dann gibt es noch sog. 'Sentō' - größere Badehäuser, die v.a. früher benutzt wurden, als es in den meisten japanischen Haushalten noch keine richtigen Badezimmer gab. Sentō sind i.d.R. größer und beinhalten weitere Becken, mit unterschiedlichen Temperaturen, Dampfbäder und Saunen - ein bisschen vergleichbar mit unseren deutschen Thermen. Größter Unterschied: alle sind nackt, Männer und Frauen getrennt. Außerdem ist es ganz wichtig, dass man sich - unter den strengen Augen der Japaner - vor dem Betreten eines Beckens gründlich (ca. 10 min) mit Wasser und Seife wäscht. Andernfalls darf/sollte man nicht in das Becken hinein. Mir war es im Wasser fast zu heiß, so dass ich auch einmal Kreislaufbeschwerden hatte, aber die meisten hier schwärmen von ihren Onsen. Am besten selbst ausprobieren :-) 

Patriarchismus
Einfach ausgedrückt: Japanische Männer sind Machos, und das schon seit mehreren hundert Jahren. Sie gehen jeden Tag arbeiten und erwarten dafür, dass Frau Zuhause bleibt und sich um Haus und Kind kümmert. Die Karreriechancen für japanische Frauen sind nach wie vor sehr gering. Auch wenn inzwischen viele Frauen zur Uni gehen, streben die meisten keine hohe Position im Unternehmen an sondern hören nach wenigen Jahren im Berufsleben wieder auf, um sich ihrer traditionellen Frauenrolle im Haushalt zu widmen. Die meisten Japaner scheinen mit dieser Rollenverteilung zufrieden zu sein, aber ich bin dann doch froh in Deutschland zu leben. 

Quo vadis?
Wohin gehst du? Mit dieser Frage möchte ich darauf aufmerksam machen, dass man sich hier in Japan eigentlich nicht verlaufen kann, weil man immer einen Japaner treffen wird, der einem den Weg zeigt oder sogar zum Ziel begleitet. Dass die Japaner sehr freundlich sind, hatte ich ja bereits erwähnt. Aber gerade beim Fragen nach dem Weg kommt diese Eigenschaft besonders gut zum Vorschein. Denn jeder der gefragt wird bleibt stehen und gibt einem entweder direkt die richtige Antwort, oder bittet andere Passanten um Hilfe oder googlet den Weg mit seinem Handy. Das deutsche 'Keine Ahnung, da müssen sie jemand Anderes fragen' ist hier also völlig undenkbar.

Restaurants
Es gibt verschiedene Arten von Restaurants in Japan. Von kleinen Lokalen, wo man auf Hockern in einer Reihe vorm Koch sitzt bis hin zu großen Lokalen im westlichen Stil. Zweierlei haben jedoch alle gemeinsam: es gibt immer kostenfreies Wasser oder Grüntee und man muss am Ende kein Trinkgeld da lassen. Das empfinden die Japaner nämlich als Beleidigung. Eine Tatsache, die uns Deutschen wohl sehr entgegen kommt. Außerdem ist im Vergleich zu Deutschland noch in einigen Restaurants das Rauchen gestattet.

Sicherheit
Kurz auf's Klo? Kein Problem, alles liegen lassen!
In keinem Land wird so wenig gemordet, geraubt und gestohlen wie in Japan (Zitat Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Bericht vom ).

So tragen Männer ihre Geldbörse
Und tatsächlich: ich habe mich noch nie irgendwo anders auf der Welt sicherer gefühlt als hier in Japan. Man gewöhnt sich schnell daran mit offener Tasche durch die Gegend zu laufen, weil man ohnehin nichts zu befürchten hat. Die Japaner tragen ihre Geldbörsen in den hinteren Hosentaschen, aus denen sie meistens halb heraus fallen oder lassen ihre Geldbörse auch gerne mal bei McDonald's oder Starbucks auf dem Tisch liegen, um damit ihren Platz zu reservieren. Wenn man mal etwas auf der Straße verliert, wird es so lange liegen gelassen, bis der Besitzer zurück kommt. Es ist schon fast verrückt, wie viele herrenlose Handys mir in den vergangenen Monaten begegnet sind... Eine wirklich tolle Eigenschaft Japans an der sich viele Länder mal ein Beispiel nehmen sollten!
Regenschirme werden aber doch geklaut...oder wozu die Sicherheitsschlösser?
Toiletten
Die modernen japanischen Toiletten sind definitiv ein kleines Highlight für die meisten Japan-Besucher. Denn sie haben einiges zu bieten. Beheizbare Klodeckel, automatische Wassergeräusche zum Übertönen der natürlichen Geräusche, Deo-Sprühmechanismen und eine Bidet-Funktion für vorne und hinten bei der man die Wasserstärke einstellen kann. Noch Fragen?

Gebrauchsanweisung
Hier hat man scheinbar auch schon einiges erlebt
Unterschriftsstempel
'A-re-sa-n-do-ra' in jap. Schriftzeichen
Wer in Japan lebt, braucht keinen Kugelschreiber, sondern einen Stempel! Unterschriften werden hier nämlich mit einem Namensstempel ('Inkan' oder 'Hanko') geleistet, den man u.a. in großen Kaufhäusern anfertigen lassen kann. So richtig sicher finde ich dieses System nicht, aber andererseits lassen sich Unterschriften heutzutage ja auch problemlos fälschen und das System funktioniert hier scheinbar.


Verbeugen
Japaner verbeugen sich ständig. Sie verwenden diese Geste um sich zu begrüßen, zu bedanken, zu entschuldigen, zu beglückwünschen, zu verabschieden etc. Gerne auch mehrmals hintereinander. Es schadet nicht sich das direkt anzugewöhnen, da man gleich als höflich und freundlich wahrgenommen wird und es quasi auch von einem erwartet wird. Ob die alten japanischen Frauen deshalb alle solche Buckel haben?

Was tun im Krankheitsfall
Wenn man in Japan krank wird, dann geht man zum Arzt. Soweit, so gut. Allerdings geht man dann nicht in eine Arztpraxis wie bei uns, sondern direkt ins Krankenhaus. Dort gibt es dann Spezialisten für alle Bereiche. Zum Glück musste ich selbst nie dort hin, so dass ich hierzu nichts Weiteres schreiben kann.

X-Mas (クリスマス)
Die meisten Japaner bekennen sich zum Shintoismus und zum Buddhismus und haben daher keine religiöse Grundlage um Weihnachten zu feiern. Doch das hält sie nicht davon ab es trotzdem zu tun. Schließlich mögen sie alles was glitzert und leuchtet (siehe Stichpunkt 'Kawaii') und englische Weihnachtslieder. Also haben sie Weihnachten kurzum umfunktioniert: vom Familienfest zum japanischen Valentinstag. Am Weihnachtsabend sollte daher die Liebste in ein möglich schickes Restaurant ausgeführt werden. Das Familienbeisammensein findet dann stattdessen an Silvester und Neujahr statt. An diesen Tagen geht es v.a. um das gemeinsame Essen (wie bei uns) und darum, dass man am ersten Tag des Jahres zum Sonnenaufgang einen Shintō Schrein besucht.

Young people searching for a job
Bewerbermesse in Fukuoka
Von unseren japanischen Studienfreunden haben wir mitbekommen, dass die Suche nach einem Job für Absolventen in Japan sehr schwer ist. Sie müssen bereits eineinhalb Jahre vor ihrem geplanten Abschluss anfangen sich zu bewerben und darauf hoffen zu einem Interview eingeladen zu werden. Wenn man Glück hat folgt auf das erste Interview ein zweites, drittes, viertes, usw. Die Suche ist also sehr langwierig. Es gibt je nach Studiengang eine klare Vorstellung darüber, ob man einen Master machen sollte oder nicht. Bei Wirtschaftswissenschaften kann ein Master-Studium eher hinderlich sein, da man dann ggf. zu alt ist, um als Trainee bei einem Unternehmen einzusteigen. Es gibt auch klare Vorstellungen bzgl. des Erscheinungsbildes von Bewerbern: schwarze Haare, schwarzer Anzug (siehe 'Ameisen'-Foto rechts). Viele Firmen berücksichtigen bei ihrer Auswahl nur Bewerber von bestimmten Elite-Universitäten. Die meisten Absolventen haben keinerlei Berufserfahrungen, weil Praktika unüblich sind. Was zählt ist, dass man möglichst schnell mit seinem Studium fertig ist und dann bei einer Firma einsteigt, bei der man den Rest seines Lebens verbringen wird. Gehalt und Karrierelevel steigen mit zunehmendem Alter (Senioritätsprinzip anstelle von Leistungsprinzip wie bei uns). Wie so oft in Japan, gilt es dann auch im Arbeitsleben stets die Harmonie zu bewahren.

Zimmerausstattung 
Japanische Wohnräume unterscheiden sich vor allem in den folgenden Aspekten von deutschen Wohnräumen: 1.) Schuhe ausziehen am Eingang ist Pflicht. Es gibt extra Hauspantoffeln und Toilettenpantoffeln. 2.) In vielen Wohnungen gibt es keinen richtigen Backofen. 3.) Sie haben oft ganz andere Toiletten als wir, und 4.) die meisten Wohnräume sind furchtbar schlecht isoliert, weshalb es im Winter mitunter schrecklich kalt wird. Geheizt wird über die Klimaanlage, die man im Sommer auf Kühlen und im Winter auf Heizen stellt. Wenn man Glück hat - wie ich - dann ist die Klimaanlage im hintersten Winkel des Zimmers angebracht, so dass es Stunden dauert, bis es auch wirklich im ganzen Zimmer warm wird. Dagegen sind unsere deutschen Heizungen schon purer Luxus.

So, meine lieben Leser - ihr habt es bis zum Ende meines vorerst letzten Blog-Eintrags geschafft. Das war alles, was ich noch gerne über Japan los werden wollte. Ich hoffe, dass euch das Lesen meines Blogs über die vergangenen Monate Spaß gemacht hat und, dass der eine oder andere vielleicht nun auch Interesse daran hat dieses Land zu bereisen und zu entdecken. Es ist definitiv eine Reise wert! Meine Zeit hier ist unheimlich schnell herum gegangen und ich bin sehr froh über diese großartige Erfahrung. Ich bin gespannt, ob und wann ich wieder nach Japan reisen werde. Bis dahin, sayōnara!

Sonntag, 16. Februar 2014

Fotorückblick: Beppu, Osaka, Nara, Kyoto und Hiroshima

Nachdem ich am 4. Februar alle Prüfungen für das WS13/14 hinter mich gebracht habe, standen nur noch zwei Sachen auf meinem Programm: die Rückreise vorbereiten und noch soviel wie möglich von Japan sehen. Mittwoch war ich zunächst im Nachbarort Beppu und habe die sog. 'Hells' besichtigt, natürliche Quellen, die nicht zum Baden geeignet sind aber dafür schön anzusehen. Für Touristen wurde das Ganze noch durch Tiere wie Krokodilen, Nilpferden etc. interessanter gemacht. Vom 7. bis 15. Februar bin ich dann mit Laura und Vera durch die folgenden japanischen Städte gereist: Osaka, Nara, Kyoto und Hiroshima, wobei mir Kyoto davon am besten gefallen hat. Da ich daher nun viel gesehen habe, aber leider noch etwas zurück liege mit den Vorbereitungen meiner Rückreise (die schon morgen Abend beginnt), gibt es diesmal nur einen Fotorückblick ohne großen Erzählungen. Viel Spaß beim Betrachten der Bilder :-)












































p.s.: Wie geht es nun weiter bzw. wann bin ich wieder in Deutschland? Ich reise morgen Abend mit dem Zug nach Hakata und übernachte dort für 1 Nacht, um am nächsten Morgen am Flughafen Fukuoka in meinen Flieger nach Shanghai zu steigen. In Shanghai treffe ich mich mit Lennart und wir reisen gemeinsam für 10 Tage durch China. Am 27. Februar spät abends fliegen wir dann zusammen zurück nach Deutschland und kommen am 28. Februar am Flughafen in Frankfurt an. Ich freue mich auf Deutschland!