Ich kann es kaum glauben, aber ich bin jetzt schon seit über zwei Monaten in Japan. Die Zeit ist sehr schnell herum gegangen und ich habe das Gefühl schon sehr viel erlebt und gesehen zu haben. Doch ein wichtiger Punkt auf meiner "To See" Liste stand noch aus: Tokyo. Vom 22. bis 25. November habe ich es endlich geschafft Japans Hauptstadt zu bereisen. Meine Erwartungen an Tokyo waren: viele Hochhäuser, leuchtende Reklamen, überfüllte Straßen, U-Bahnen in die man von Wachmännern hinein gedrückt wird sowie exzentrische Menschen und extravagante Mode. Diese Erwartungen wurden auch größtenteils erfüllt, doch ich habe zum Glück auch andere Seiten erlebt, die mich positiv überrascht haben.
Fangen
wir von vorne an. An unserem ersten Morgen waren wir im Hama-rikyū-Park.
Geplant war eigentlich der Fischmarkt, der sich direkt daneben befindet, doch der war
leider aufgrund eines Feiertags (von dem wir nichts wussten)
geschlossen.

Auch wenn es sich um einen alten historischen
Garten/Park handelt, wirkte der Park eher neu auf mich und definitiv sehr
gepflegt. Ich war total begeistert von den herbstlichen Farben der
Bäume. Die Gartenanlage hat einen tollen Kontrast zur restlichen
Skyline geboten.
Vom
Garten aus sind wir nach Ginza spaziert, dem Fashion-Viertel in dem
alle Luxus-Labels vertreten sind. Also Tokyo's Antwort auf NY's Fifth Avenue. Es war den ganzen Morgen
über sehr ruhig auf den Straßen, erst als die Geschäfte eröffnet haben,
um 11 Uhr, wurde es allmählich voller.
Mittags haben wir in einem japanischen Restaurant in einer kleinen Seitenstraße in Ginza gegessen. Dort gab es eine große Nudelsuppe mit Fleisch und Gemüse, sowie ein weiteres Reisgericht als Beilage für etwa 6 Euro. Man kann also auch in Tokyo gut und günstig essen gehen.

Nach
dem Mittagessen sind wir zum Tokyo Metropolitan Gov. Building gefahren. Dies war ein echter Geheimtipp aus Patis Reiseführer. Denn im
Vergleich zu anderen Aussichtstürmen in Tokyo muss man hierfür
nichts bezahlen.
Der Blick aus dem 45. Stock in 202 m Höhe ist einmalig. Wo man nur hinsieht sind Hochhäuser. Die wenigen Grünflächen dazwischen sind kaum erkennbar. Leider war es zu neblig, um bis zum berühmten Mount Fuji blicken zu können.

Anschließend
sind wir nach Shinjuku gelaufen, wo wir uns mit einer japanischen
Bekannten von Patricia getroffen haben, Kaori. Nach einer kurzen
Erholungspause in einem Coffee Shop, hat uns Kaori die Gegend um
Shinjuku gezeigt. Das Viertel steht vor allem für Shopping, Unterhaltung
und Rotlichtszene.
Sonntagmorgen
sind wir zum neuen Wahrzeichen Tokyos gelaufen, dem Tokyo Skytree (eröffnet im Mai 2012). Der
Skytree ist 634 m hoch und damit der höchste frei stehende
Kommunikationsturm weltweit. Da uns im Vorfeld aufgrund des hohen Eintrittspreises
und der langen Besucherschlangen davon abgeraten wurde hinauf zu fahren, und wir
bereits Samstag einen tollen kostenlosen Ausblick über Tokyo genießen
durften, haben wir nur die Tokyo Skytree Town erkundet, d.h. den
Einkaufsbereich in und um den Turm.
Zu unserer freudigen Überraschung gab es dort auch einen kleinen deutschen Weihnachtsmarkt, der jedoch erst im späteren Tagesverlauf öffnen sollte. Für uns stand gleich fest: hier fahren wir heute Abend nochmal hin (wir hatten eh ein Tagesticket für beliebig viele Fahrten mit der Metro).
Zunächst ging es aber weiter zum Ueno Park, einem schönen großen Park, der als ältester öffentlicher Park (im westlichen Sinne) Japans gilt. Ich war wieder einmal fasziniert von den tollen Farben der Natur. Ein super Ort für einen Familienausflug oder für den sonntäglichen Spaziergang im Grünen :-).
Den
Rest unseres Vormittages haben wir in Akihabara (Electric Town) verbracht, dem Viertel
in dem sich alles um Manga, Anime, Elektronik, Computerspiele und Maid Cafés dreht.
Maid Cafés sind übrigens Cafés in denen sich sehr junge japanische Bedienungen als Zimmermädchen verkleiden und in denen die (männlichen) Gäste besonders unterwürfig bedient werden (nach dem Motto 'ja, mein Meister'). Sehr verrückt, aber eigentlich auch genau das, was man von Tokyo
erwartet.
Zum Mittag haben wir eine japanische Variante des altbekannten Hamburgers probiert. Dieser wurde auf einem heißen Teppan serviert und war sehr schmackhaft.


Danach sind wir die Omote-sandō Einkaufsstraße entlanggelaufen und hatten erstmals tatsächlich ein wenig Platzangst bzw. leichte Panik, dass wir uns in der Menschenmenge verlieren würden. Gleichzeitig dachte ich, dass ich sicherlich durchdrehen würde, wenn ich hier meine Weihnachtseinkäufe machen müsste. Gut, dass wir solche Zustände in Deutschland selbst zur Weihnachtszeit noch nicht erreicht haben.
Wo wir schon beim Thema Shopping sind, nachfolgend noch ein paar interessante modische Darbietungen auf die ich in Omote-sandō gestoßen bin. Vielleicht dienen sie dem einen oder anderen vom euch ja als Inspiration ;-)

Inzwischen war es fast dunkel geworden und wir mussten wieder an den deutschen Weihnachtsmarkt denken. Also nichts wie hin und sich wieder heimelig fühlen! Meine Hot Kahlua Milk (ich trinke nicht gerne Glühwein), die nicht wirklich hot sondern eher lauwarm warm und auch kaum Alkohol enthielt hat mich ca. 5,50 Euro gekostet. Naja, es war ein netter Versuch, aber richtige (deutsche) Weihnachtsmarktstimmung ist dabei nicht aufgekommen. Im Gegenteil, jetzt sehne ich mich nur noch mehr nach Weihnachten in der Heimat :-(


Am Abreisetag sind wir nochmal zum Fischmarkt gefahren, der am Samstag geschlossen war. Wir hatten Glück, denn er hatte regulär geöffnet. Der Tsukiji Fish Market gilt als größter Seafood Market der Welt. Hier werden täglich 2.400 Tonnen Fisch gehandelt. Im Mittelpunkt steht dabei der maguro (Blauflossenthunfisch), der ab 5 Uhr morgens bei der weltbekannten tuna auction versteigert wird und dabei Preise von über 10.000 USD erzielen kann. Der Markt ist von 9 bis 11 Uhr für Besucher zugänglich, doch man merkt, dass sich der Großteil der Geschäfte bereits in den frühen Morgenstunden abgespielt haben muss, weil dann viele bereits dabei sind ihre Stände aufzuräumen, um endlich Feierabend machen zu können. Der Besuch lohnt sich trotzdem, weil man zum einen überwältigt wird von der Größe des Markts und zum anderen von dem geschäftigen Treiben. Eigentlich muss man ständig aufpassen nicht von einer vorbei rauschenden Handkarre oder einem Gabelstapler überfahren zu werden. Touristen werden zwar geduldet, aber die Händler müssen trotzdem ihrer Arbeit nachgehen und geben daher nicht wirklich Acht auf andere 'Störfaktoren'.
Der letzte Punkt auf unserem Tokyo-Programm war der Sensō-ji Tempel in Asakusa, Tokyo's meistbesuchter buddhistischer Tempel, den man über eine belebte, historische Einkaufsstraße erreicht. Der Tempel war größer als andere, die ich bisher gesehen habe, aber nicht unbedingt schöner. In jedem Fall war es aufgrund der unzähligen Touristen kein besonders ruhiger Ort. Die Gartenanlage um den Tempel herum und der angrenzende Schrein laden da eher zum Gebet und zur Meditation ein.


Was möchte ich sonst noch über Tokyo los werden?
1. U-Bahn fahren ist doch recht kompliziert im Vergleich zu anderen Großstädten und die meisten U-Bahn-Stationen sind nicht behindertengerecht ausgestattet, was soviel heißt, dass man ständig Treppen hoch und runter gehen muss. Außerdem legt man teilweise sehr lange Strecken zurück, um von einer Linie in die nächste umzusteigen.
2. Tokyo kann teuer sein, muss aber nicht. Siehe beispielsweise die Alpenveilchen im rechten Foto für umgerechnet 110 Euro (nein, es handelt sich nicht um einen Druckfehler, sie kosten tatsächlich mehr als ein Hundert Euro). Gleichzeitig bekommt man in jedem Viertel auch eine warme Mahlzeit für 5 Euro und eine Flasche Wasser für 80 Cent. Das Tagesticket für die U-Bahn kostet ca. 7 Euro. Was also das Gerücht angeht, dass Tokyo schrecklich teuer ist - ich hatte nicht dieses Gefühl.
3. Tokyo war wirklich interessant, aber der absolute WOW-Effekt ist bei mir ausgeblieben. Das liegt vielleicht daran, dass Japan oft als super modernes High-Tech-Land verschrien wird und ich das entsprechend auch so erwartet habe. Dabei musste ich aber feststellen, dass andere Städte wesentlich modernere Verkehrsmittel einsetzen und dass es anderswo wesentlich interessantere Architektur gibt. Wenn ich vor 10 Jahren nach Tokyo gereist wäre, würde ich wahrscheinlich anders darüber denken. Auch der Faktor Globalisierung spielt in der Hinsicht inzwischen eine große Rolle. Im Bereich der Fast-Food- und Bekleidungsindustrie scheint es weltweit kaum noch Unterschiede zu geben. Trotzdem lohnt sich der Besuch. Und sei es nur wegen der verrückten Anime- und Mangawelt, die dort ihren Höhepunkt erlebt :-)
Mittags haben wir in einem japanischen Restaurant in einer kleinen Seitenstraße in Ginza gegessen. Dort gab es eine große Nudelsuppe mit Fleisch und Gemüse, sowie ein weiteres Reisgericht als Beilage für etwa 6 Euro. Man kann also auch in Tokyo gut und günstig essen gehen.
Der Blick aus dem 45. Stock in 202 m Höhe ist einmalig. Wo man nur hinsieht sind Hochhäuser. Die wenigen Grünflächen dazwischen sind kaum erkennbar. Leider war es zu neblig, um bis zum berühmten Mount Fuji blicken zu können.
| Skytree @ night |
Zu unserer freudigen Überraschung gab es dort auch einen kleinen deutschen Weihnachtsmarkt, der jedoch erst im späteren Tagesverlauf öffnen sollte. Für uns stand gleich fest: hier fahren wir heute Abend nochmal hin (wir hatten eh ein Tagesticket für beliebig viele Fahrten mit der Metro).
Zunächst ging es aber weiter zum Ueno Park, einem schönen großen Park, der als ältester öffentlicher Park (im westlichen Sinne) Japans gilt. Ich war wieder einmal fasziniert von den tollen Farben der Natur. Ein super Ort für einen Familienausflug oder für den sonntäglichen Spaziergang im Grünen :-).
Zum Mittag haben wir eine japanische Variante des altbekannten Hamburgers probiert. Dieser wurde auf einem heißen Teppan serviert und war sehr schmackhaft.
Nachmittags
sind wir zum Meiji-jingū gefahren, Tokyos größtem shintoistischen Schrein, der sich im Stadtteil Harajuku inmitten eines grünen Waldes befindet. Dort haben wir ganz viele japanische Kinder
in Kimonos neben ihren stolzen Eltern gesehen. Sehr süß :-)
Danach sind wir die Omote-sandō Einkaufsstraße entlanggelaufen und hatten erstmals tatsächlich ein wenig Platzangst bzw. leichte Panik, dass wir uns in der Menschenmenge verlieren würden. Gleichzeitig dachte ich, dass ich sicherlich durchdrehen würde, wenn ich hier meine Weihnachtseinkäufe machen müsste. Gut, dass wir solche Zustände in Deutschland selbst zur Weihnachtszeit noch nicht erreicht haben.
Wo wir schon beim Thema Shopping sind, nachfolgend noch ein paar interessante modische Darbietungen auf die ich in Omote-sandō gestoßen bin. Vielleicht dienen sie dem einen oder anderen vom euch ja als Inspiration ;-)
Inzwischen war es fast dunkel geworden und wir mussten wieder an den deutschen Weihnachtsmarkt denken. Also nichts wie hin und sich wieder heimelig fühlen! Meine Hot Kahlua Milk (ich trinke nicht gerne Glühwein), die nicht wirklich hot sondern eher lauwarm warm und auch kaum Alkohol enthielt hat mich ca. 5,50 Euro gekostet. Naja, es war ein netter Versuch, aber richtige (deutsche) Weihnachtsmarktstimmung ist dabei nicht aufgekommen. Im Gegenteil, jetzt sehne ich mich nur noch mehr nach Weihnachten in der Heimat :-(
Nunja...abends
haben wir uns noch mit Freunden in Shibuya zum Abendessen verabredet.
Shibuya ist v.a. wegen der Hundestatue Hachikō (siehe 'Hachi: A Dog's Tale' mit Richard Gere) und dem Shibuya Crossing bekannt, also der Straßenkreuzung, die bei grün gleichzeitig von Menschen aus allen Richtungen überquert wird. Ansonsten ist das Viertel vergleichbar mit Shinjuku und zeigt
die Seite von Tokyo, die man grundsätzlich erwartet.
| v.l.n.r.: Jakob, ich, Thorwald, Vera, Joachim, Patricia, Laura, Tobias u. Keiko |
Der letzte Punkt auf unserem Tokyo-Programm war der Sensō-ji Tempel in Asakusa, Tokyo's meistbesuchter buddhistischer Tempel, den man über eine belebte, historische Einkaufsstraße erreicht. Der Tempel war größer als andere, die ich bisher gesehen habe, aber nicht unbedingt schöner. In jedem Fall war es aufgrund der unzähligen Touristen kein besonders ruhiger Ort. Die Gartenanlage um den Tempel herum und der angrenzende Schrein laden da eher zum Gebet und zur Meditation ein.
Was möchte ich sonst noch über Tokyo los werden?
1. U-Bahn fahren ist doch recht kompliziert im Vergleich zu anderen Großstädten und die meisten U-Bahn-Stationen sind nicht behindertengerecht ausgestattet, was soviel heißt, dass man ständig Treppen hoch und runter gehen muss. Außerdem legt man teilweise sehr lange Strecken zurück, um von einer Linie in die nächste umzusteigen.
3. Tokyo war wirklich interessant, aber der absolute WOW-Effekt ist bei mir ausgeblieben. Das liegt vielleicht daran, dass Japan oft als super modernes High-Tech-Land verschrien wird und ich das entsprechend auch so erwartet habe. Dabei musste ich aber feststellen, dass andere Städte wesentlich modernere Verkehrsmittel einsetzen und dass es anderswo wesentlich interessantere Architektur gibt. Wenn ich vor 10 Jahren nach Tokyo gereist wäre, würde ich wahrscheinlich anders darüber denken. Auch der Faktor Globalisierung spielt in der Hinsicht inzwischen eine große Rolle. Im Bereich der Fast-Food- und Bekleidungsindustrie scheint es weltweit kaum noch Unterschiede zu geben. Trotzdem lohnt sich der Besuch. Und sei es nur wegen der verrückten Anime- und Mangawelt, die dort ihren Höhepunkt erlebt :-)