"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon."

Montag, 18. November 2013

Unterwegs in Kyūshū Teil II: Nagasaki und Fukuoka


Am zweiten Novemberwochenende trieb es meinen Papa, Laura und mich nach Nagasaki und Fukuoka. Weltweite Bekanntheit erlangte Nagasaki leider bekanntermaßen als Ziel des zweiten Atombombeneinsatzes am 9. August 1945. Abgesehen von diesem tragischen geschichtlichen Ereignis, hatte ich aber im Vorfeld nicht viel von anderen über Nagasaki gehört, so dass ich ohne große Erwartungen angereist bin. 

 

Das erste was mir auffiel waren die vielen von grünen Bäumen gesäumten Steinbrücken über dem Fluss, die der Stadt ein sehr malerisches Antlitz verleihen. 


 
 Die Innenstadt ist gerade am Wochenende sehr lebendig und die Shopping Arkaden sind geradezu überfüllt von Menschen. Wie ich inzwischen festgestellt habe scheinen Shopping Arkaden überall in Japan verbreitet zu sein, dafür gibt es eher weniger große Einkaufszentren und Malls wie man sie aus Deutschland bzw. den USA kennt.



An unserem ersten Morgen in Nagasaki haben wir zunächst den Tsukimachi Fischmarkt gesucht, der auf unserem Stadtplan eingezeichnet war, um dann festzustellen, dass es sich um eine normale Einkaufsstraße handelte in denen einzelne Fischgeschäfte situiert waren. Fischmärkte auf denen fangfrischer Fisch auf einfachen Ständen präsentiert und laut angepriesen wird, wie man sie aus den Mittelmeerländern kennt, scheinen in Japan eher eine Seltenheit zu sein. Ich bin gespannt, ob die Atmosphäre auf dem Fischmarkt in Tokyo (wo ich nächstes Wochenende hinfliege) anders sein wird.

Nach dem Fischmarkt sind wir zum Sōfuku-ji Tempel gelaufen. Von allen Tempeln, die ich bisher in Japan gesehen habe hat mir dieser persönlich am besten gefallen, wobei ich nicht genau sagen kann warum. Es war auf jeden Fall ein sehr ruhiger und friedlicher Ort.

  
Wenn man die Straße weiter entlang läuft kommt man noch an sechs weiteren Tempeln vorbei. U.a. auch am Kōfuku-ji, dem ältesten Obaku Zen Tempel Japans.













Als Mittagessen gab es ein für Nagasaki traditionelles Gericht namens Champon, eine Suppe mit Nudeln, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten.

 
Nach dem Mittagessen sind wir mit der Tram zum Peace Park gefahren. Die Tram besteht nur aus einem einzelnen Waggon und die einfache Fahrt kostet immer gleichviel, egal wie weit man fährt. Das Bezahlen erfolgt auf typisch japanische Art und Weise mit einer Geldzählmaschine vorne beim Fahrer (auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln in Japan werde ich in einem anderen Blogeintrag noch eingehen).

 
Im Peace Park kommt man erst an einem Brunnen vorbei, der zwei Engelsflügel abbilden soll und dann an mehreren Statuen, die von unterschiedlichen Ländern gespendet worden sind und alle die gleiche Botschaft verkünden: Frieden. Im Mittelpunkt steht die Friedensstatue.


 


Weiter ging es zur katholischen Urakami Kathedrale, die wir uns aber nur von außen angesehen haben. Die Kirche wurde beim Atombombenabwurf fast vollständig zerstört und 1959 wieder aufgebaut. So richtig passte die Kirche nicht ins sonstige Landschaftsbild.





Anschließend sind wir noch zum Hypocenter gegangen und in die Memorial Hall. Alle diese Orte sind sehr bewegend. Sie sollen die Menschheit dazu ermahnen den Frieden einzuhalten, damit solche furchtbaren Ereignisse wie 1945 niemals wiederholt werden.





Der letzte Punkt auf unserem Tagesprogramm war Chinatown. Hier gab es hauptsächlich Restaurants und ein paar Souvenirgeschäfte. Insgesamt nicht besonders groß, aber gerade abends ganz nett beleuchtet. 




An unserem zweiten Morgen in Nagasaki sind wir zum Hafen gelaufen. Dort sieht man viele Boote, viele Fische und viele Fischer :-). Außerdem noch eine schöne Restaurantpromenade und eine ganz große grüne Wiese, die gut besucht war von jungen Familien mit ihren Kindern.
 
Am Ende der Hafengegend gelangt man zum Glover Garden, in dem sich das älteste im westlichen Stil gebaute Haus Japans befindet. Dieses gehörte dem Schotten Thomas B. Glover, der viel zur Entwicklung Nagasakis beigetragen hat. Zudem findet man hier die Ōura Kirche, die als älteste römisch-katholische Kirche Japans gilt.



Für mich bot Nagasaki insgesamt einen schönen Kontrast zwischen Tradition und Moderne (uralte Tempel neben modernen Hochhäusern). Es ist wirklich beeindruckend zu sehen wie die Stadt in relativer kurzer Zeit in dieser Art und Weise wieder aufgebaut worden ist. Man erkennt definitiv auch den Einfluss von verschiedenen Kulturen. Hierzu sollte man wissen, dass während der vielen Jahren in denen sich Japan vom Rest der Welt isoliert hat, Nagasaki der einzige Hafen war in dem der Handel und dadurch auch der Austausch mit anderen, fremden Bevölkerungen (v.a. Chinesen und Holländer) erlaubt war. Manchmal erinnerte mich die Stadt aufgrund der vielen Hügel und der alten Trambahnen ein wenig an San Francisco :-). Ein Besuch lohnt sich!


Sonntag und Montag waren wir noch in Fukuoka, der sechstgrößten Stadt Japans und größten Stadt Kyūshūs. Bisher kannte ich nur den Flughafen in Fukuoka, da ich dort vor etwa zwei Monaten erstmalig in Japan gelandet bin. Seitdem bin ich noch weitere Male von Fukuoka abgeflogen, ich hatte es aber nie geschafft mal die Stadt zu erkunden. Die Stadt ist wirklich groß! Vielleicht ein bisschen vergleichbar mit New York? Die Einkaufszentren jedenfalls sind wirklich unglaublich. Direkt am Bahnhof gibt es beispielsweise drei große Einkaufszentren (Hakata Hankyu, Tokyu Hankyu & Amu Plaza), die teilweise miteinander verbunden und jeweils 10 Etagen hoch sind. Im Untergeschoss findet man meistens die Delikatessen, im Erdgeschoss alle großen Labels, dann fünf Etagen mit Frauenbekleidung, eine Etage für Männerbekleidung (reicht ja ;-)), eine Etage für Haushaltswaren, eine Etage für Sportartikel und nochmal zwei Etagen mit Restaurants. Man kann theoretisch den ganzen Tag unterwegs sein, ohne jemals das Bahnhofsgelände zu verlassen und nach draußen zu gehen.

Doch Fukuoka hat zum Glück nicht nur Konsum zu bieten, sondern auch viele schöne alte Tempel und Schreine. Die meisten befinden sich in unmittelbarer Nähe zur Subway-Haltestelle Gion: Shōfuku-ji, Joten-ji und Tōchō-ji, in dem sich Japan’s größter Holzbuddha befindet, den ich total eindrucksvoll fand.

                           


Sonntagabend habe ich mich noch mit Laura und Patricia getroffen, die ebenfalls in Fukuoka waren. Zusammen mit einem japanischen Freund von Patricia haben wir sehr leckere Gyōza im angesagten Viertel Tenjin gegessen.
 

Montagmorgen haben wir noch einen kleinen Spaziergang zum Ohori Park unternommen. Leider war es sehr kalt, so dass wir schnell wieder Rückzug ins Warme gesucht haben. 


Montagnachmittag habe ich mich nochmal mit meinen Freundinnen Laura und Patricia getroffen und wir sind zusammen zum Fukuoka Tower gegangen. Der Turm ist insgesamt 234m hoch. Als Besucher kann man mit einem Glasaufzug auf die 360° Aussichtsplattform auf 123m Höhe hochfahren, wo man eine sehr schöne Aussicht auf Fukuoka erhält.

   
Lover’s Sanctuary mit „fence of love“

Genau wie Nagasaki hat mir Fukuoka auch sehr gut gefallen, weil mir die Stadt ein weiteres Bild von Japan eröffnet hat, was ich noch nicht kannte. Jede Stadt ist irgendwie anders und hat unterschiedliche Sachen zu bieten. Im Falle von Fukuoka ist es definitiv das Großstadtfeeling und die Shopping-Möglichkeiten. Gut, dass Fukuoka nur zwei Stunden Zugfahrt von Ōita entfernt ist. Ich komme wieder!

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