Hallo Welt!
Auf dieser Seite werde ich mein Auslandssemester in
Japan dokumentieren und von meinen Erlebnissen in Asien berichten.
Viel Spaß beim Lesen!
"Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon."
Dienstag, 10. Dezember 2013
Wilde japanische Affen, Sumō-Wettkämpfe und Drum TAO
An den vergangenen beiden Wochenenden hatte ich erstmals gar keine Ausflugspläne geschmiedet, sondern einfach abgewartet und geschaut, was sich so ergeben würde. Und erfreulicherweise habe ich wieder einiges, zum Teil Unerwartetes hier in Japan erlebt.
Am ersten Adventssonntag ging es spontan (und leicht verkatert von der vorherigen Nacht im berühmt berüchtigten P.E.I. Pub) zum Takasakiyama Monkey Park. Dieser 'Affenberg' ist eine der wenigen Attraktionen, die die Umgebung hier zu bieten hat und nur eine knappe halbe Stunde von meinem Wohnort entfernt. In diesem kleinen Waldabschnitt gibt es wirklich nichts anderes außer Affen. Dafür aber richtig viele. Laut Internetangaben wohnen dort über 1.500 wilde japanische Affen. Dadurch, dass die Affen dort regelmäßig von Parkwächtern gefüttert werden bleiben sie auf dem Berg und stören nicht die umliegenden Anwohner und Nachbarn. Eine klare Win-win-Situation :-)
Mein erster Eindruck vom Affenberg war: "Oh Gott stinkt das hier!" Zum Glück lief mir dann aber sogleich ein kleines Affenbaby entgegen und ich wurde deutlich milder gestimmt. Diese kleinen Wesen mit ihren großen Augen, die sich fest an Mamas Oberkörper krallen sind schon wirklich sehr süß. Ansonsten muss ich sagen, dass sich die Affen sehr gut benommen haben. Sie sind nicht auf Menschen los gegangen und haben auch nicht versucht irgendwelche Gegenstände zu klauen, was sonst eigentlich ein typisches Verhalten von wilden Affen ist. Die gute japanische Erziehung eben...
Interessant war es die Fütterungszeit mit zu erleben, weil hunderte von Affen zeitgleich aus allen Richtungen heraus geschossen kamen und (teilweise zwischen unseren Beinen) in Windeseile zum Fütterungsplatz liefen. Das war schon ein wenig beängstigend :-) Insgesamt ein relativ kurzer, aber lustiger Ausflug!
Pati-san und Ali-san im P.E.I.
Pati konnte am nächsten Tag leider nicht mitkommen
Manche Männer können es einfach nicht lassen...
Der Park war voll von Müttern mit Kindern
Fütterungszeit I
Fütterungszeit II
Fütterungszeit III
Einen Tag nach unserem Affenberg-Ausflug erhielten wir überraschenderweise eine Nachricht von unserer Uni, dass man uns Karten für ein Sumo-Turnier am Mittwoch, den 4.12. schenken würde, falls wir uns schnell dafür anmelden würden. Natürlich haben wir direkt auf die Nachricht geantwortet und so zum Glück noch drei Karten ergattern können. Jede Karte hätte uns 10.000 Yen, ca. 75 Euro pro Person gekostet, also eine sehr großzügige Geste von der Uni. Das Turnier fand in einer großen Turnhalle (Oita Prefectural General Gym) statt und sollte wie folgt ablaufen: von 8 bis 11 Uhr Training, anschließend bis 15 Uhr Wettkämpfe. Wir entschieden uns um 10 Uhr hinzugehen, um noch das Training mit zu erleben. Ich muss
zugeben, dass es doch nochmal ein ganz anderes Gefühl ist diese
schweren, halbnackten Männer live zu sehen als im Fernsehen. Im ersten
Augenblick fand ich die Nacktheit sehr verstörend. Und ich war auch sehr
erstaunt als ich einige nicht japanisch aussehende Sumo-Ringer sah (gem. unserer Broschüre gab es auch Ringer aus Bulgarien, Brasilien, Georgien und
Ägypten). Diese sahen mit ihrer teilweisen starken Körperbehaarung,
ihrer Cellulitis und ihren Schwangerschaftsstreifen noch viel schlimmer
aus als ihre asiatischen Mitkonkurrenten. Wirklich kein schöner Anblick.
ABER es
geht ja hierbei nicht um die Schönheit, sondern um den Sport. Daher
komme ich nun wieder zurück zum Wesentlichen. Das Training war ganz
nett, aber es waren immer relativ viele Kämpfer im
'Ring' (ein sandbedeckter, mit einem Strohseil abgesteckter Kreis), so
dass man als Zuschauer leicht den Überblick verlor. Lustig wurde es als
plötzlich mehrere kleine Jungs nacheinander gegen die starken Riesen
antreten durften. Natürlich hatte keiner von ihnen eine Chance, doch
einige schafften es mit raffinierter Ablenkung, Schnelligkeit und
'so-lange-am-Bein-ziehen-bis-der-Dicke-die-Balance-verliert' die
Sumokämpfer zu Fall zu bringen und ernteten entsprechend viel Beifall
vom Publikum.
Die anderen Ringer stehen Schlange
Zwei Ringer beim Training
Klein gegen Groß
Sumo-Kampf
Die Halle war gut besucht
Nach dieser kleinen Spaß-Aktion, ging es über zu den richtigen Wettkämpfen. Jeder Wettkampf wird durch einen Japaner in traditioneller Tracht angekündigt, der mit einem Fächer den Ring betritt und kurz etwas singt. Anschließend steigen die zwei Rivalen in den Ring. Es folgen mehrere Anläufe in denen beide jeweils in die Hocke gehen. Außerdem werden verschiedene Armbewegungen durchgeführt, es wird in die Hände geklatscht und dann muss immer noch einmal das linke und einmal das rechte Bein in die Luft gehoben werden. Irgendwann scheinen beide die richtige Position gefunden zu haben und der Kampf kann losgehen. Es gewinnt derjenige, der es schafft den Gegner als Erstes aus dem Kreis zu drängen oder ihn so aus dem Gleichgewicht zu bringen, dass er den Boden mit einem anderen Körperteil als den Fußsohlen berührt. Die Kämpfe dauerten immer nur wenige Sekunden. Manche waren dennoch spannend oder zumindest sehenswert. Andere waren viel zu schnell vorbei oder einfach nur langweilig. Es fanden entsprechend viele Kämpfe in den vier Stunden statt. In einer kurzen Pause stiegen dann sechs Kämpfer mit einer aufwändig bestickten Schürze in den Ring, die nacheinander ein Lied sangen. Leider reichen meine Japanischkenntnisse noch nicht aus, um auch nur ein Wort davon verstehen zu können, aber da das Publikum zwischendurch immer wieder lachte, gehe ich davon aus, dass es sich um was Lustiges gehandelt haben muss :-).
Hier noch der Link zu drei Videos, die ich während des Turniers aufgenommen habe:
Was bleibt mir noch zu sagen? Unser 'Sitzplatz' bestand darin sich in einem durch Klebestreifen abgetrennten Quadrat auf einer blauen Kunststoffplane auf dem Turnhallenboden zu setzen. Jeder Quadrat war für vier Personen ausgelegt. Wir waren zum Glück nur zu dritt und haben es trotzdem nicht geschafft eine halbwegs bequeme Position zu finden. Für die Japaner war das natürlich kein Problem. Schön sieben Stunden lang knien - kein Problem. Wir bringen das nächste Mal einen Sitzsack mit! Kalt war es natürlich auch. Insgesamt also sehr unkomfortabel, aber gelohnt hat es sich trotzdem. Danke, Oita University :-)
Ein weiteres Highlight erlebte ich vergangenen Samstag, als ich in Kuju eine Aufführung der japanischen Schlagzeuggruppe Drum TAO besuchte (siehe http://www.drum-tao.com). Hierbei handelt es sich um berühmte Taiko Künstler, die mit Schlägeln auf großen Röhrentrommeln schlagen. Das war für mich wieder etwas völlig Neues. Die Rhythmen, die Geschwindigkeit und die Energie der Künstler haben mir gut gefallen. Meine weiblichen Begleitungen waren zudem sehr angetan von den leicht bekleideten, gut durchtrainierten Körper der Trommler ;-) Innerhalb der Aufführung wurden auch japanische Shamisen (ähnlich wie ein Banjo) und Flöten gespielt. Leider war das Fotografieren und Aufzeichnen während der Vorstellung untersagt, doch im Nachfolgenden habe ich zwei Youtube-Videos eingefügt, die zwei Teile der Aufführung genau wieder geben. Einfach nur toll!
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